Seit heute offiziell: Combino 400 rollt auch weiterhin autonom durch Potsdam

Die Siemens Mobility GmbH hat heute in Potsdam auch offiziell die erste autonom fahrende Straßenbahn der Welt vorgestellt. Als Versuchträger stellte die ViP den Combino-Prototypen Nr. 400 (Baujahr 1996) zur Verfügung. Er bekam zahlreiche Sensoren zur Überwachung des Fahrweges und der Umgebung eingebaut und ist inzwischen auch mit einer entsprechenden grafischen Außengestaltung versehen worden.

Die ViP zeigt sich stolz, „an solch einem epochalen Projekt in der Straßenbahngeschichte aktiv mitwirken zu können. Schienengebundene Elektromobilität im städtischen Straßenverkehr und die Digitalisierung werden hier in einer Weise miteinander verbunden, wie es so noch nie zuvor geschehen ist. Die ViP setzt damit ihre jahrzehntelange Tradition fort, bei der Erprobung neuer Techniken aktiv mitzuwirken, von der weltweit ersten Tatra-Bahn KT4D, über die erste Combino-Niederflurbahn zur nunmehr ersten autonom fahrenden Straßenbahn“, so die Geschäftsführer des Verkehrsbetriebes.

Testlauf seit einem Jahr

Die Testfahrten mit dem Wagen, die unter strenger Geheimhaltung bereits seit Mai 2018 auf dem Abschnitt zwischen dem Betriebshof der ViP und der Schleife am Stern laufen, werden stets von einem Fahrer der ViP begleitet. Er kann jederzeit in das Fahrgeschehen eingreifen und auch eine Notbremsung einleiten. Für die ViP war dies die Voraussetzung, um die Testfahrten im realen Straßenverkehr durchführen zu können. Nach Messfahrten zur Erfassung der Teststrecke wurde ein Detail- und Sicherheitskonzept erstellt. Materialbeschaffung, Einbauplanung und die Installation der Technik waren die nächsten Schritte. Die „Lernphase“ auf der Strecke erfolgte ab Mai 2018.

Die heutige Vorstellung im Rahmen der internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik „InnoTrans“ stellt einen Meilenstein und mit dem erreichten Entwicklungsstand den erfolgreichen Abschluss eines Teilprojektes dar.

Die Erprobung auf dem sechs Kilometer langen Gleisabschnitt erfolgt auch weiterhin ohne Fahrgäste. Der Fahrgastwechsel wird somit an den drei Haltestellen noch nicht getestet. Die ViP geht davon aus, dass die anstehende Fahrzeuggeneration in den nächsten Jahren noch einen Fahrer benötigen wird. Der technische Geschäftsführer der ViP, Oliver Glaser, erläutert dazu: „Bei der anstehenden Beschaffung neuer Straßenbahnen werden Assistenzsysteme eine wichtige Rolle spielen. In der autonomen Tram kommen auch Komponenten solcher Systeme zur Vermeidung von Unfällen zum Einsatz, die Straßenbahn wird dadurch noch sicherer. Somit werden wir und insbesondere die Potsdamer Bürger und unsere Fahrer doppelt von dem Test profitieren. In der langfristigen Planung werden die Entscheidungen der ViP dann davon abhängen, wie sich die Technik weiterentwickelt.“

Derzeit handelt es sich um ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt noch ohne kommerzielle Nutzbarkeit. Die kompletten Kosten für Forschung und Entwicklung sowie für den Umbau trägt Siemens. Ziel des Projektes ist vor allem die Weiterentwicklung vorhandener Fahrerassistenz-Systeme.

Das Projekt wird fortgesetzt

Das gesamte Projekt erfährt danach eine Fortsetzung. Die Siemens Mobility GmbH und das unabhängige FZI Forschungszentrum Informatik der Universität Karlsruhe führen derzeit eine Studie in Potsdam zu konkreten Möglichkeiten und Potentialen einer (Teil-) Automatisierung des Betriebshofes durch. Mittelfristig soll auf dieser Basis eine erste Stufe des autonomen Fahrens in Form der Depotautomatisierung kommerziell nutzbar gemacht werden. Auch hier wird die ViP Projektpartner sein.
Oliver Glaser: „Einzelne Szenarien sollen mit unserem Testfahrzeug umgesetzt werden. Es geht insbesondere um die Überprüfung, ob zeitintensive Rangierprozesse auf dem Betriebshof automatisiert werden können. Daraus werden neue Technologie- und Prozessentwicklungen abgeleitet. Ziel ist die praktische Demonstration, um zu sehen, welche Schritte zeitnah umgesetzt werden könnten. Die Ergebnisse werden sowohl in die Planungen des Um- und Ausbaus des heutigen ViP-Betriebshofes einfließen als auch in die Konzeption eines Betriebsstützpunktes im Potsdamer Norden.

Quelle: ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH

Imagefilm von Siemens

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Ein Kommentar zu „Seit heute offiziell: Combino 400 rollt auch weiterhin autonom durch Potsdam

  1. Ich bin ziemlich gespalten in meiner Meinung, wenn es darum geht, den Fahrer durch die Technik zu ersetzen.
    Das mag ja durchaus reizend sein, vorallem für den Geldbeutel der Verkehrsbetriebe, aber was passiert mit dem subjektivem Gefühl der Fahrgäste? Ist die Sicherheit gegeben? An wen wende ich mich, wenn etwas passiert ist? Wer hilft bei Bedarf vor Ort? …
    Wie man es nicht machen sollte, beweisen uns tagtäglich die Berliner S-Bahn und BVG auf ihren Stationen.
    Ich hoffe, daß bei der jetzt eingegangenden Richtung auch der Mensch Beachtung findet!!!

    Ein kleiner Hinweis am Rande:
    Die Potsdamer Straßenbahn war, zumindest zu DDR-Zeiten, immer der kleine häßliche Bruder der Hauptstadt. Hierher kamen die Straßenbahnwagen, die keiner mehr gebrauchen konnte. Nur nach massivem Protest seitens der Kombinatsleitung wurde damals der KT4D eingesetzt, um wenigstens den Wagenpark etwas verjüngen zu können.
    Deswegen ist der Hinweis mit dem „Vorreiter neuer Techniken“ etwas zu hoch gegriffen.

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