KT4D-Prototyp 001 zurück in Potsdam

Nach der Instandsetzung in Prag ist der weltweit einmalige Prototyp des KT4D, Wagen 001, gestern nach Potsdam zurückgekehrt.

Am 21. November 2017 machte sich KT4D-Prototyp 001 auf den Weg in seine Geburtsstadt – nach Prag. Im Jahre 1972 erblickte 001 zusammen mit dem zweiten Prototypen 002 das Licht der damals noch tschechoslowakischen Hauptstadt. Mit der Nr. 8001 wurde der für die DDR entwickelte Wagen zunächst hier erprobt und gelangte im Dezember 1974 nach Potsdam. Hier stand er zusammen mit 002 (ex 8002) bis 1989 im Linieneinsatz und wurde dann abgestellt. Während 002 den Weg allen alten Eisens ging, konnte 001 gerettet werden. 1994 zunächst in private Hände übergeben und außerhalb Potsdams abgestellt, konnte der Wagen von 1998 bis 2001 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in Teltow restauriert werden. Mit Unterstützung der ViP gelang es auch, das weltweit einzigartige Fahrzeug fahrfähig herzurichten.

Nach nunmehr 16 Jahren und nach Ablauf der 2. HU-Periode im Herbst 2017 war es erforderlich, das Fahrzeug aufgrund von Verschleiß und Alterung wieder einer größeren Aufarbeitung und einer Neulackierung zu unterziehen. Da die Kapazitäten der ViP-Werkstatt durch die Auslastung mit eigenen Arbeiten und den Werkstattumbau dafür nicht ausreichten, fiel die Entscheidung, den Wagen in Fremdleistung instandzusetzen. Nach einer Ausschreibung ging der Zuschlag für die erforderlichen Arbeiten an die Verkehrsbetriebe Prag, deren Hauptwerkstatt bereits 12 KT4DC für Potsdam grundinstandsetzte.

Am 21. November 2017 wurde der Wagen verladen und nach Prag transportiert. Aufgrund der Eintragung des Wagens in die Landesdenkmalliste musste für die Instandsetzung des Wagens die Zustimmung der Unteren Denkmalschutzbehörde Potsdam eingeholt werden.

 

 

Die Instandsetzung 2017

Gemäß der Beauftragung sowie der in Prag nach Teildemontage vorgenommenen Befundung erfolgten folgende Arbeiten:

Wagenkasten

  • Teildemontage und Trennen der Wagenkästen
  • Beseitigung von Rostschäden am Dach des A-Teils (unter dem Dachbelag) und Farbeindringprüfung der Schweißnähte
  • Beseitigung von Rostschäden an mehreren Fensteröffnungen
  • Reparatur von Schäden an der Beblechung
  • Austausch der Gelenklager
  • In Kabelkanälen in Wagenmitte sowie in den Scheinwerferaufsätzen befand sich Wasser; Trocknung und Einbringen von Ablaufbohrungen
  • Rissreparatur und Verstärkung an der vorderen Kupplungsanbindung
  • Neulackierung innen und außen
  • Aufarbeitung der Sitzgestelle und Haltestangen
  • Reparatur einiger Sitzpolster
  • Aufarbeitung der Kupplungen und Kupplungsanbindung

Türen

  • Aufarbeitung und Neulackierung der Türflügel
  • Umbau der Antriebe auf Originalantriebe (aus T3, alternativ zur Aufarbeitung der Serienantriebe bei annähernd gleichem Aufwand)

Drehgestelle

  • Komplettzerlegung und Befundung
  • Magnetpulver-Prüfung der Längsträger und nach Befund Reparaturschweißungen
  • Umbau der Stehbolzen für Radsatzanbindung auf Prager Lösung mit angeschweißter Lasche und gestecktem Bolzen
  • Einschweißen neuer Gewindebuchsen für Sandschlauchhalter
  • Wiederherstellung der Maßhaltigkeit von zwei Radsatzanbindungen (Halbschalen)
  • Erneuerung aller Gummiteile, Dichtungen und Lager
  • Reparaturschweißungen an zwei Getriebegehäusen
  • Auswuchten der Anker der Fahrmotore
  • Überdrehen der Lamellen eines Fahrmotors und Austausch von zwei Feldspulen
  • Aufarbeitung der Bremstrommeln
  • Aufarbeitung der Schienenbremsen und Federspeicher
  • Austausch eines Motorträgers

 

 

Um der Farbgebung von 1972 näher zu kommen, erfolgte die Lackierung mit den ab Werk verwendeten Originalfarbtönen jener Zeit und in Oberflächenqualität „seidenmatt“. Die Prager Hauptwerkstatt hatte diese Farbgebung aus alten Unterlagen für die noch laufende Restaurierung eines T3SUCS (Wagen 7001, Baujahr 1982) ermittelt. Der so aufgebrachte creme-Ton zeigt eine interessante Eigenschaft, die sich schon auf früheren Fotos zeigt, je nach Lichteinfall und Art des Lichtes schwankt die wahrgenommene Farbe zwischen fast weiß und gelblich – was frühere Versuche der Farbbestimmung stark erschwerte und zum bisherigen nicht optimalen Ergebnis führte. Das Dach wurde originalgetreu in grau lackiert (zuletzt elfenbein). Bei weiteren Details konnte eine Annäherung an den Urzustand erfolgen, so mit dem Austausch der schwarzen Fenstergriffe gegen solche in weiß.

Der Wagen wurde im April 2018 fertiggestellt und am 3. Mai 2018 durch Vertreter von ViP abgenommen. Dem voraus gingen mehrere Termine zur Baukontrolle und für Zwischenabnahmen, insbesondere der Schweißarbeiten, der Lackierung und der Drehgestellaufarbeitung.

Seitens ViP bestand der Vorschlag, den Wagen für einige Monate noch in Prag zu lassen und dort für Sonderfahrten oder museale Zwecke zu verwenden. Leider teilte DPP im April 2018 mit, dass entgegen anfänglicher Aussagen die dortige Direktion einem Einsatz des Wagens in Prag nicht zustimmt.

Die wohl einmalige Gelegenheit, den Probefahrten von 1973 einen erneuten Einsatz in Prag folgen zu lassen, blieb damit nahezu ungenutzt; aber die Entscheidung muss letztlich akzeptiert werden. Immerhin fand am 24. Mai 2018 eine interne Sonderfahrt mit ehemaligen Mitarbeitern von ČKD statt, die an der Entwicklung des Wagens beteiligt waren. Dem schloss sich eine Fahrt an, bei der die Werkfotos von 1973/1974 nachgestellt worden sowie am 25. Mai ein Fototermin der Wendeschleife Výstaviště Holešovice. Am 5. Juni 2018 wurde der Wagen in Prag für die Rückreise verladen und rollte am 7. Juni in Potsdam wieder vom Tieflader.

 

 

Die nächsten Einsätze in Potsdam

Er steht dann für die Feierlichkeiten anlässlich 111 Jahre Elektrische am 2. September 2018 zur Verfügung und natürlich auch wieder für den Glühweinexpress an den ersten drei Adventssonntagen.

In Potsdam erfolgen noch die Beschriftung des Wagens sowie weitere im Rahmen der HU erforderliche Inspektionen. Die im Wagen befindlichen Lochentwerter (Potsdamer Eigenbau von 1985) wurden absprachegemäß nicht wieder montiert. Es wird dafür der Einbau von der Lehrwerkstatt vor geraumer Zeit angefertigter Zahlboxen vorgenommen, für die aber noch die Halter zu bauen sind.

Text: Ivo Köhler / Robert Leichsenring
Fotos: Ivo Köhler / Marcel Götze

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