Trams und Busse in Krasnojarsk

Nachdem uns der erste Teil unserer Sibirien-Reihe mit Bildern der Transsibirischen Eisenbahn und der Baikalrundbahn den Weg nach Sibirien gewiesen hat, wollen wir uns heute einem der beiden besuchten Nahverkehrsbetriebe annehmen, dem Straßenbahn- und Obus-Betrieb in Krasnojarsk.

Die mit rund 1.066.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Sibiriens liegt ca. 4.100 km östlich von Moskau direkt am Jennisei, einem der längsten Flüsse der Erde. Krasnojarsk ist mit seinem Staudamm, der Paraskewa-Kapelle und der Kommunalen Brücke jedem Russen stets vor Augen, denn diese Sehenswürdigkeiten zieren den 10-Rubel-Schein.

Das Wachstum der Stadt begann vor allem ab 1938, als mit den stalinistischen Säuberungen tausende Deportierte in die Stadt kamen. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges, als Industriebetriebe aus dem europäischen Teil der Sowjetunion nach Sibirien evakuiert wurden, wuchs die Stadt weiter.

Einen schienengebundenen Nahverkehr gab es hier seit 1935, als man auf der innerstädtischen Eisenbahnlinie am Südufer des Jenissei begann, neben Gütern auch Personen zu befördern. Diese Bahn wurde „Montanja“ genannt.

Im Juni 1956 wurde der heutige Verkehrsbetrieb gegründet und mit dem Bau einer elektrischen Straßenbahn begonnen. Am 1. Mai 1958 wurde der Straßenbahnbetrieb auf einer Länge von 9,5 km mit 19 Wagen aufgenommen. Die Straßenbahnen rollten schnurgerade auf dem Südufer des Jenissei entlang des Prospektes „Gazety Kransojarskij Rabotschi“, wo sie auch heute noch verkehrt. Der Obus gesellte sich ab 1959 hinzu, als die erste Linie eröffnet wurde.

Die feindseelige Haltung gegenüber dem elektrisch betriebenen Nahverkehr, die in Russland allenthalben zu spüren ist, hat auch vor Krasnojarsk nicht halt gemacht. Das Straßenbahnnetz ist in den 1990er und 2000er Jahren nicht unerheblich reduziert worden und hat heute eine Länge von rund 50 km. Auch dem Obus ist es nicht anders ergangen. Die Konkurrenz durch private Kleinbusse macht dem Betrieb erheblich zu schaffen.

Nun ein paar Eindrücke vom 3. Juli 2016. Da es sich hierbei um einen Sonntag handelte und für das Ablichten der Straßenbahn nur eine Stunde am frühen Morgen zur Verfügung stand (ich musste arbeiten), kommt der Betrieb leider etwas zu kurz.

246_01
Der Betrieb begann um 07:00 Uhr und am Predmostnaja Platz (Brückenvorplatz) kommt uns als erster Ausrücker des Tages KTM-5 246 entgegen. Er ist einer von rund 60 Wagen seiner Art und der Haupttyp in Krasnojarsk.
216_00
Gefolgt wird 246 von KTM-5 216, der auf die Linie 5 ausgerückt ist. Zwar behauptet das Schild, er würde nur bis zum Brückenvorplatz fahren, tatsächlich rollt auch er jedoch weiter.
216_01
Hier der Wagen noch einmal aus einer anderen Perspektive. Das Foto hätte so, bis auf ein paar Details, durchaus auch 1980 aufgenommen werden können.
216_02
Vor dem Hotel „Amaks“ befindet sich übrigens eine Gleisschleife. Bis 1994 rollte die Straßenbahn von hier auch über die Kommunale Brücke bis zum Operntheater auf der anderen Seite des Jenissei. Heute bleibt sie auf der südlichen Uferseite.
207_01
Auf welcher Linie KTM-5 207 unterwegs ist, bleibt unklar und auch sein Zielschild gibt Rätsel auf. Auch er hat Brückenvorplatz geschildert, fährt jedoch weiter.
207_02
Hier noch einmal, weil er so schön ist.
209_02
Nach rund 20 Minuten folgt erneut ein Wagen der Linie 7, diesmal 209. Leider gelang es nicht, einen der anderen Wagentypen (KTM-19 und LM-2008) zu fotografieren.
209_01
Die Weihnachtsbeleuchtung bleibt auch in Krasnojarsk, wie in anderen russischen Städten, das ganze Jahr über hängen.
211_01
Als letzter Straßenbahneindruck noch Wagen 211, der hier auf der Linie 4 unterwegs ist. Er wendet rund um den Kreisverkehr am Brückenvorplatz.
Bus_01
In Sibirien trifft man auch eine große Zahl ehemaliger deutscher Busse. Hier einer der Hamburger Hochbahn AG auf der Linie 50 am Brückenvorplatz. Er trug in Hamburg die Nummer 1267 und wurde 2007 ausgemustert. Seit 2011 ist er in Krasnojarsk zuhause und inzwischen fast 20 Jahre alt.
Bus_02
Auf der nördlich des Jenissei gelegenen Stadtseite rollt auch der Obus. Hier Wagen 1054 in der Uliza Karla Marksa vor der Philharmonie.
Bus_03
Und noch einmal die Uliza Karla Marksa und wieder ein Bus aus Deutschland. Dieser gehörte einst der Firma Böddecker Reisen aus Salzkotten.
Bus_04
An der Haltestelle Uliza Perensona treffen wir auf den Trolza 1001. Er brennt nicht, die Rauchwolke hinter ihm stammt von einem Dieselbus.
Bus_05
Die gleiche Haltestelle, diesmal mit ZIU 1137. Er ist einer von 10 Obussen, die im Jahre 2009 eine Generalüberholung in Iwanowo erhalten haben. Dabei wurde die gesamte elektrische Ausrüstung in die große Kiste auf dem Dach verlagert. Woher der originale Bus stammte ist unklar.
Bus_06
Noch so ein Exemplar treffen wir unmittelbar vor dem Bahnhof von Krasnojarsk. Hier Wagen 2096 auf der Linie 4. Die „Verdunkelung“ wurde vom Fahrer selbst installiert und soll die Frontscheinwerfer schützen.
Bus_07
An alt bewährtem festzuhalten gilt auf vielen Sektoren der russischen Wirtschaft. Auch wenn der ZIU 1066 aussieht, als sei er in den 70ern gebaut worden, so stammt er doch von 2005. Entwickelt um 1966 wurden diese Fahrzeuge bis 2015 rund 42.000 mal gebaut.

Soviel zu Krasnojarsk. In Kürze folgt an dieser Stelle noch ein Bericht aus Irkutsk.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s